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Cidre

ist nicht nur Apfelwein

Cidre, so nennt man den Apfelwein in Frankreich. Mit dem bei uns bekannten «Äppelwoi» aus Hessen oder dem «Most aus Süddeutschland» hat er aber nur gemeinsam, dass er aus Äpfeln gekeltert wird.

Urlauber in der Normandie oder Bretagne ist das traditionelle Getränk bestens bekannt. Die ideale Erfrischung im Sommer, eine süffige Alternative zu Wein und Bier, und was wäre schon eine bretonische Galette ohne Cidre. 

Doch hinter dem Cidre verbirgt sich mehr als nur ein gegorener Apfelsaft. Dem Wein fast gleichgestellt, ist es eine «Wissenschaft» für sich. So sind für die Geschmacksrichtungen und Klassifizierungen das Anbaugebiet, die verwendeten Apfelsorten und der Gärungsprozesse für die unzähligen Geschmacksrichtungen von lieblich bis herb und trocken verantwortlich. 

Wo hat er seinen Ursprung und welche Region stellt den «Besten» her? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Mythen und unbestätigten Berichten zufolge, soll der seinen Ursprung im Baskenland haben und im 6. Jahrhundert die Seeleute vor Skorbut bewahren. Andererseits soll die erste Erwähnung von Cidre in der Normandie aus dem Jahr 1082 stammen, bevor er sich im 14. Jahrhundert in der Bretagne ausbreitete.  

Egal, ob Normandie oder Bretagne. Der Cidre gehört zu Frankreich wie Wein und Käse. Uralte Apfelsorten werden für Herstellung verwendet und während der Cidre aus der Normandie etwas runder im Geschmack sind, ist der bretonische  durch seinen höheren Anteil an säuerlichen und süß-säuerlichen Äpfeln etwas herber und kräftiger im Geschmack. Aber selbst die nationale Vereinigung der Cidre-Produzenten (Unicid.fr) bestätigt: "Es gibt manchmal mehr Unterschiede zwischen zwei bretonischen oder zwei normannischen Cidre als zwischen einem bretonischen und einem normannischen".  Wie eingangs gesagt, der Geschmack entscheidet.

Zirka 1.500 professionelle Cidre-Produzenten befinden sich hauptsächlich in der Bretagne, der Basse-Normandie und der Haute-Normandie. Einige kleinere Produktionsgebiete existieren auch im Pays de la Loire, in der Picardie, im Nord-Pas de Calais sowie im Pays d'Othe und in der Savoie. Sie produzieren ca. 930.000 hl/Jahr für den Französischen Markt und weitere etwa 150.000 hl für den Export, Summasummarum 1.1 Mio hl/Jahr. Eines bleibt sicher: Es ist tatsächlich ein zu 100% französisches Know-how: und Frankreich ist der weltweit führende Produzent.

Man unterscheidet 4 Hauptsorten
von der süßesten bis zur trockensten Sorte, je nach Zuckergehalt und Alkoholgehalt:

Doux
leicht süß und besonders fruchtig, mit einem Alkoholgehalt von nur 3°.

Demi-sec
Leicht süß und sehr ausgewogen, mit einem Alkoholgehalt zwischen 4° und 5°.

Brut
leicht süß, leicht prickelnd, ein eher typischer Cidre mit etwa 5° Alkohol

Traditionnel
eher trocken und charaktervoll, mit einem Alkoholgehalt von mehr als 5°.
Es ist leicht leicht getrübt, weilk weniger Hefen und Verunreinigungen abfiltriert wurden.

Wie die Weine, so tragen auch bei den Cidres, viele das AOC bzw. AOP Siegel. Doch daneben gibt es noch eine weitere Steigerung, das Label Rouge. Und mit diesem Siegel wurde bisher nur ein Cidre aus der Bretagne ausgezeichnet, der «Royal Guillevic», Es ist kein Cuvee, sondern ein sortenreiner Cidre, der nur aus der Apfelsorte Guillevic gekeltert wird, die ausschließlich im Morbihan rund um Vannes wächst.

In der Bretagne und in der Normandie gibt es jeweils eine touristisch sehenswerte Cidre-Route, die durch die Apfellandschaften und vorbei an Kellereien führt, die zur Verkostung, Besichtigung und zum Kauf einladen.

Route Bretagne:    1. externer Link      2. externer Link 

Route Normandie    externer Link

Unsere Lektüren-Empfehlung
Die Journalistin Hilke Maunder hat auf ihrer Webseite «Mein Frankreich» ausführlich über den Cidre Bretagne und Cidre Normandie berichtet.  externer Link Bretagne    externer Link Normandie

und von prowein den Artikel:  «Normandie – Äpfel im Rhythmus der Jahrhunderte»


© FME A133 / 20200602

 
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