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Pêche à pied
Das Fußfischen - die andere Art des Angelns


Speziell am Atlantik gehört das Fußfischen zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung und sicherlich haben Sie so manche Fußfischer schon gesehen. Bei Eintritt der Ebbe, wenn das Meer den Boden und Steine freilegt, marschieren sie los, einzeln oder in Gruppen. In Gummistiefeln und mit Eimer, Netz, Harke, Messer und Schaufel bewaffnet gehen sie auf die Suche nach den Köstlichkeiten des Meeres.

Meeresschnecken, Muscheln und Krebse sollen bis zum Eintreffen der Flut in ihre Eimer wandern, um sie anschließend zuhause mit Genus zu verzehren. Selbst gefangen schmeckt schließlich besser und auf traditionelle Weise werden sie aufgebrochen, ausgelutscht und natürlich von Hand gegessen.

Jeder darf sich zwar prinzipiell in Frankreich aus dem Meer bedienen, aber aufgepasst, so gibt es doch einige Regeln zu beachten. In jeder Region gibt es für das „Pêche à pied“ genaue Vorschriften, was und wieviel je Sorte mit welchen Mindestgrößen gesammelt werden darf. Außerdem gibt es Schutzzonen, in denen das Fußfischen verboten ist. An beliebten Sammelstellen findet man dafür am Strand entsprechende Hinweisschilder, ansonsten erhält man die Vorschriften im Rathaus („Marie“ oder „Hôtel de Ville“) oder Touristenbüro (Office du Tourisme), sie sind aber auch bei manchen Campingplätze ausgehangen oder liegen in Geschäften wie z.B. für Marine-Zubehör aus. Wer sich nicht daran hält und wild sammelt, was er findet, kann mit hohen Strafen rechnen. An manchen Orten wird streng kontrolliert.

Doch nun zum Fußfischen. Nicht die Ausrüstung ist das wichtigste, sondern ein geübtes Auge. Die schmackhaften Meeresfrüchte liegen nicht einfach auf dem Meeresboden und warten auf Sie, sie müssen gesucht werden. Nur die Jakobsmuschel und die an Steinen und Algen klebende Strandschnecke ist einfach zu ernten. Die anderen Muscheln sind im Sandboden zu finden, aber einfach zu graben, ist meistens erfolglos. Zuvor gilt es kleine Löcher, die Atemlöcher der Muscheln, im Boden zu finden – und jede Muschelart hinterlässt auf dem Boden ihr eigenes Muster. Jetzt wird geharkt und gegraben, in der Hoffnung eine oder mehrere Muschel zu finden. Andere bedienen sich bei der Schwertmuschel mit einem Trick und streuen Salz auf die Löcher. Die erhöhte Salzkonzentration gaukelt der Muschel vor, dass das Meer zurück ist, und lockt sie nach oben. Mit einem schnellen und geübten Griff gilt es nun, die Muschel fest zu ergreifen und aus dem Sand zu ziehen.

Krebse, Hummer und Austern warten unter Steinen, Felsbrocken und kleinen Höhlen auf die Flut. Steine werden vorsichtig aufgehoben und umgedreht, in der Hoffnung einen Krebs oder Hummer zu finden. Ob fündig oder nicht, jeder Stein muss genau so vorsichtig wieder genau an die ursprüngliche Position gelegt werden, wo er sich befand.

So ist je nach Region oder Geschmack des Fußfischers das Beuteschema unterschiedlich. Die einen suchen nach im Sand versteckte Muscheln und andere unter und an Steinen lebenden Krustentiere oder Meeresschnecken, die mit dem Messer abgelöst werden müssen. Manche gelöste Schnecke findet nicht immer den Weg in den Sammeleimer, sondern landet bei Eingefleischten direkt im Mund.

Bevor man sich als Neuling auf die Suche macht, sollte man sich genau über die Gezeiten erkundigen und auf andere einheimische Fußfischer achten. Schon so mancher hat vor lauter Tatendrang die Flut zu spät gemerkt. Das Meer ist schnell; wenn also andere das „Jagdgebiet“ verlassen, sollte man sich besser anschließen, auch wenn noch kein Wasser zu sehen ist. Und bitte nicht wahllos einsammeln, was man findet. Jede der Köstlichkeiten hat einen anderen Geschmack. Man sollte also vorher schon einmal gegessen haben, was man erntet, bevor die Muschel dann im Müll landet. Abzuraten ist auch von Gegenden rund um Hafengebiete und Abwassereinleitungen, hier können die Meeresfrüchte stark belastet und sogar gesundheitsschädlich sein.

Während den größten Gezeitenunterschiede (bei Voll oder Neumond), wenn das Meer weit zurück weicht, sind die Fangquoten am größten. Dann sind Sie als Fußfischer aber nicht mehr alleine. Einheimische kennen die guten Zeiten und bevölkern in Massen den Meeresboden.

Ob Sie was fangen oder nicht, es ist ein Erlebnis.