Frankreich Mobil Erleben

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Französische Stellplätze –
Im Wandel der Zeit

Aus Camping wurde Glamping.
Was wird demnächst aus einem Stellplatz?
In Deutschland ist die Steigerung z.B. ein "Reisemobil-Hafen" oder "Wohnmobil-Park" und in Frankreich? Hier überwiegen immer noch die klassischen "Aires de Camping-car" oder "Parking Camping-car"; doch seit einigen Jahren versuchen sogenannte "Camping-Car Parks" ein neues Level anzubieten. 

Vorwort
Dieser Artikel beruht auf unseren persönlichen Erfahrungen und dem Meinungsaustausch mit vielen französischen und deutschen Wohnmobilfahrern.

Frankreich ist immer noch das beliebteste Reiseland für Wohnmobiltouristen mit den meisten Stellplätzen. Doch die enorme Zunahme der weißen Armada und die Wünsche ausländischer Touristen, veranlasste auch hier die Gemeinden und Stellplatzbetreiber zu Maßnahmen, die speziell bei französischen Wohnmobilfahrern und bei der "alten Wohnmobil-Generation" auf Kritik stoßen.

Nach dem Motto: «Ach was war das frühere schön…» ist inzwischen viel Unmut zu hören, denn

  • viele kostenfreie Parkflächen an der Küste sind für Wohnmobile zwischenzeitlich verboten;
  • die "nette Dame", an die man abends die Stellplatzgebühr entrichtet und Neues erfahren hat, ist einer Schranke zum Opfer gefallen, und
  • alte beliebte Plätze wurden zu "Komfort-Plätzen" mit hohen Preisen umgerüstet.  

Abgeschrankte Plätze
Viele alte Plätze, überwiegend an der Küste, wurden zwischenzeitlich abgeschrankt; indem ein Querbalken über der Einfahrt, die Zufahrt von Fahrzeugen ab einer gewissen Höhe verhindert, meist zwischen 1.80 und 2.10 m.  Nicht die Vielzahl der Wohnmobile sind hier der Anlass, sondern überwiegend die «Saison-Mobilisten», die nicht nur ihren Müll, sondern auch ihr Abwasser und den Cassettentank wild entsorgt oder einen Parkplatz tagelang mit Campingverhalten belegt haben. Einigen Plätzen heben die Höhenbeschränkung ab Oktober bis Mai wieder auf und entfernen den Querbalken. Auf anderen Plätzen kann aber auch durch das Verbotsschild [Camping-car interdit] ein ganzjähriges Verbot ausgesprochen werden. 


Plätze mit Zugang durch Schrankensysteme
und mit Kartenzahlung
gehört zu einer Maßnahme, die nicht zu verdenken ist. In früheren Zeiten hat ein Mitarbeiter oder eine freundliche Dame von der Gemeinde am Morgen oder am Abend den Platz besucht und die Stellplatzgebühr in bar eingezogen; immer in Verbindung mit einem netten Plausch. Heute ist die Zufahrt mit einer Schranke versperrt, die sich erst nach Zahlung am Automaten öffnet.

Durch das Schrankensystem hat die Stadt zwar nur einen Teil der Personal- und Verwaltungskosten eingespart, aber trotzdem im Schnitt höhere Einnahmen. Die «Nassauer» gehen der Gemeinde nicht mehr durch die Lappen, welche die Zeiten kannten, wann der Bedienstete auf den Platz kam und am Morgen vor dessen Besuch vom Platz fuhren, oder erst am Abend nach dessen Rundgang den Platz anfuhren. Viele wurden von uns beobachtet, die morgens ca. 30 Minuten vor der Zahlung den Platz verließen und 2 Stunden später wieder auf ihren Stellplatz zurückkamen. Dieses System wird allgemein nicht kritisiert, wenn die Stellplatzgebühren im Rahmen, also beim alten Preis, bleiben.

Eine Übersicht und Anleitung zu den diversen Stellplatzsystemen finden Sie hier.


Luxus-Plätze
beginnen sich zu etablieren, und alte Gemeindeplätze werden von externen Betreibern übernommen, und zu solchen umgewandelt. Diese Plätze sind nicht nur für Franzosen ein Greul, auch für die "alten" Womo-Fahrer. Die heutige Generation will, was man in Deutschland bei der Wahl zum Platz des Jahres immer wieder beobachten kann, V+E, WC, Wifi, Strom usw..

Was hat das noch mit einem Stellplatz zu tun? Mit einem Wohnmobil ist am autark, wozu also der ganze Luxus? Dafür gibt es schließlich Campingplätze.

Nicht nur die zahlungsbereiten ausländischen Touristen will man damit gewinnen, es sollen auch die Wünsche der "Neuen Wohnmobil-Generation" und die der "App- & Internet-Abhängigen" erfüllt werden, die den Besucherverlust durch höhere Preise ausgleichen sollen. Die Preise dieser "Luxus-Plätze" sind für frz. Verhältnisse nicht mehr moderat und die Stellplätze werden nach der Umwandlung von vielen Franzosen nicht mehr angefahren.

Unser Tipp: Oft bietet ein Camping Municipal, oder in der Vor- und Nachsaison die Campingplätze, welche die Ermäßigungskarte von ACSI Campingcard akzeptieren, ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem gibt es Gemeinden, die ihre ehemaligen Camping Municipal zu Stellplätzen umgerüstet haben; hier erwarten einen moderate Preise, schöne Parzellen und Sanitäranlagen.


Stellplatzpreise
Wer will und in den entsprechenden Stellplatzführern (z.B. Campingcar-Info oder Campercontact) sucht, wird immer noch fündig, preiswerte oder kostenfreie Stellplätze zu finden. Wer sich die Mühe macht und auf «Luxus» verzichten kann, findet immer noch Stell- und Wohnmobil-Parkplätze in teilweiser Toplage, mitten in der Natur oder am Meer.

So liegt die überwiegende Zahl, der zirka 10.000 Stellplätze, mit oder ohne V+E unter 10 €, und über 2.500 Stellplätze davon sind kostenfrei.

An der Küste sind die Preise meist nach Saisonzeiten gestaffelt. In der Hauptsaison können auch schon einmal bis zu 20 € aufgerufen werden. Für deutsche Verhältnisse und viele Ausländer sind die Preise «normal» - nicht aber für den Franzosen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass  die Plätze von 0 - 5 € überwiegend von Franzosen belegt sind, und für die meisten bei 10 € die Fahnenstage erreicht ist.

Wohnwagengespanne auf Stellplätzen
sind, zum Leidwesen vieler Gespannfahren, in Frankreich nicht gestattet, lediglich auf den Rastplätzen mit entsprechender Beschilderung. Warum diesem so ist:

  • Stellplätze sind für autarke Fahrzeuge gedacht (auch wenn moderne Caravans inzwischen diese Eigenschaft haben)
  • Stellplatzflächen sind überwiegend nur ca. 8  m lang. Ein Gespann würde zwei Flächen in Anspruch nehmen.
  • In Frankreich soll dadurch auch das "fahrende Volk" von der Platzbelegung ausgeschlossen werden.
  • Sicherlich werden dadurch auch die Interessen der Campingplätze gewahrt.

An die Kritiker
«Wer ein teures Wohnmobil fährt, kann auch die Stellplatzpreise zahlen» oder «Wohnmobilfahrer sind alle geizig" so die Stammtisch-Meinung vieler.  

Sie bedenken aber keineswegs folgende Aspekte:

  1. Warum sollen Leistungen bezahlt werden, die nicht in Anspruch genommen oder gewünscht werden?
  2. Wohnmobile sind vollkommen autark und für das Reisen gedacht. Wer irrsinniger Weise seine Toilette und Dusche im Fahrzeug nicht nutzen möchte, sollte auf einen Campingplatz.
  3. Viele Rentner haben sich von ihrem Ersparten ein Mobil zugelegt und tingeln nun mit ihrer kleinen Rente in ihrem autarken Eigenheim um die Welt.
  4. Nicht wenige haben aus Kostengründen ihre Immobilie gegen ein Wohnmobil getauscht, das nennt man «Mobiles Wohnen»
  5. Immobilienbesitzer achten auch auf die Nebenkosten.
  6. Nicht alle nutzen ihr Wohnmobil für nur 3 Wochen Urlaub im Jahr, denen die Preise fast egal sind, was die Belegung der 5-Sterne Campingplätze zu Preisen über 60 € zeigt.
  7. Andere verreisen, aus welchen Gründen auch immer, aber mehrere Wochen im Jahr.
  8. Wer ständig länger stehen will oder seinen 3-Wochen-Urlaub nur an einem Ort verbringt, ist mit einem Wohnwagen sicherlich besser bedient.
  9. Ein Wohnmobil ist nicht nur für Privilegierte, die aus Imagegründen das Fahrzeug vor dem Haus oder ihrer Firma parken und es lediglich für 2 Wochen Urlaub auf einem CP nutzen.

Richtig ist, dass die Erstellung eines Stellplatzes mit Kosten verbunden ist - aber muss der Platz gleich mit allem Schickimicki ausgestattet werden, oder reicht als Stellplatz nicht ein bereits vorhandener Parkplatz oder eine andere Stellfläche aus?

Unser Fazit:
Frankreich ist und bleibt hoffentlich auch in Zukunft, trotz Zunahme der «Luxus-Plätze» das bezahlbare Wohnmobil-Reiseland Nummer 1 mit den meisten Stellplätzen.

Jeder kann, bei entsprechender Auswahl seines Platzes, in Frankreich kostenfrei stehen. Dazu gibt es auch kostenfreie Entsorgungsstationen, ansonsten sind überwiegend nur 2 – 3 €, meist mit Jeton oder Kreditkarte zu bezahlen.

Vive la France.