Frankreich Mobil Erleben

Das informative Online-Magazin für Wohnmobilisten, Camper und  Individualisten
 

Der langsame Zerfall

Nicht schon wieder:
"Früher war alles schöner", 
aber in diesem Falle doch.

Vorwort
Aus Respekt vor den Ortschaften und deren Bürger haben wir zu diesem Beitrag auf Bilder, Ortsnamen und Nennung der Regionen verzichtet.

Unsere Erfahrung
Seit fast 40 Jahren kennen wir Frankreich. Eine Reise durch das Land war immer ein Erlebnis, wenn man auf Landstrassen unterwegs war. Idyllische kleine Dörfer mit einem charmanten 0rtskern, mit freundlichen und zuvorkommenden Bürgern, haben wir jahrelang durchfahren. Boulangerie, Boucherie, Bar, Tabac usw. alles war vertreten. Entlang der Strecke überwiegend gepflegte Gebäude mit teils blühenden Vorgärten. Manche Routen, quer durch das Land, waren eine Augenweide. Und heute?

Auch in Deutschland schreitet die Landflucht voran, aber in manchen Regionen hat Frankreich (aus unserer Sicht) "uns" überholt. Orte, die zwischen den Feldern, die bis zum Horizont reichen, in vergangenen Tagen eine lebhafte Schönheit waren, zerfallen von Jahr zu Jahr. Existenzen von Händlern und Gewerbetreibenden, deren Lokale verbrettert sind, sind dem Abzug der Bürger und dem Internet zum Opfer gefallen. Entlang der Straße teils verfallene und unbewohnte Häuser, die dem endgültigen Verfall gewidmet sind. Wenn man Glück hat findet man im Zentrum noch eine kleine Bar in der Nähe der Kirche, die auch schon bessere Zeiten erlebt hat, und die Bewohner des Ortes, die man sieht, lassen sich – wenn überhaupt - an einer Hand abzählen. Statt Werbeschilder folgt der Schilderwald mit  "A Vendre" (Zu Verkaufen) oder "A Louer" (Zu Vermieten) entlang der Straße. Wie in Deutschland: Die "Alten" sind geblieben und sterben aus, die "Jungen" sind fort. Eine Ära des Gemeinwesens, der Menschlichkeit und des Miteinanders geht zu Ende - dem Fortschritt (doch welchem?) geschuldet.

Die Zukunft? Heute werden Ruinen von Burgen besucht, und morgen die Ruinen von Dörfern? Oder fallen sie der wirtschaftlichen Gier nach Grund und Boden zugrunde. Also abreißen und Platz für Solar- oder Windanlagen schaffen, vielleicht findet auch Nestlé eine neue Wasserquelle. Möglichkeiten gibt es viele, aber der Fortschritt, auch wenn es oft keiner ist und nur dem Kapital gewidmet ist, lässt sich nicht aufhalten.

Unsere Erinnerung bleibt, und wir werden auch in Zukunft auf Landstrassen quer durch das Land reisen und die Schönheiten genießen, auch wenn manche Orte und Anblicke deprimierend sein werden.

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